In meiner Kindheit war ich ein absoluter Wissenschaftsfreak, auch in dem Sinn, dass ich als Naturforscher hinausging und Käfer, Schlangen, Schmetterlinge und Proben sammelte. Ursprünglich war es nicht mein Traum Filmemacher zu werden, sondern Entdecker. Das mit dem Filmschaffen kam später.
Als Kind bin ich immer in Filme gegangen, die mich in eine andere Welt entführten und total fasziniert haben. Als ich beschloss Filmemacher zu werden, wollte ich anderen Menschen dieses Gefühl vermitteln, das Gefühl, das ich selbst als Kind in den Kinos erlebt hatte.
Ich schrieb Avatar 1995. Das Drehbuch basiert auf Ideen, die ich hatte, als ich mit 19 im College war. Sie entstanden also mehr als 20 Jahre zuvor. Und dann hat es noch einmal 10 Jahre gedauert, bis wir den Film machten.
„Ich fragte mich: Was besitze ich, was kann ich ihm geben, das für mich die gleiche Bedeutung hat. Etwas sehr Persönliches, dessen Wert dem entsprechen würde, was ihm seine Geschenke an mich bedeutet haben. Also gab ich ihm meine Rolex Submariner.“
Als ich an Avatar arbeitete, habe ich viel zu indigenen Kulturen geforscht und herausgefunden, dass diese Auseinandersetzungen immer noch aktuell sind. Noch immer werden Menschen vertrieben, werden ihre Kulturen zerstört. Ich stellte fest, dass mit dem Erfolg von Avatar eine große Verantwortung einherging. Ich fühlte mich verpflichtet, mich zu engagieren und bin im Grunde ein Aktivist geworden, der sich für die Rechte indigener Völker einsetzt.
Ich hatte Freundschaft geschlossen mit Ropni, einem Häuptling der Kayapó, die im Herzen des Amazonas leben. Er überreichte mir einige fantastische Geschenke, Dinge, die eine große Bedeutung für ihn hatten, und machte mich in einer Namensgebungszeremonie zu einem Kayapó. In ihrer Kultur sind dies hochgeschätzte Gegenstände. Und ich fragte mich: Was besitze ich, was kann ich ihm geben, das für mich die gleiche Bedeutung hat. Etwas sehr Persönliches, dessen Wert dem entsprechen würde, was ihm seine Geschenke an mich bedeutet haben. Also gab ich ihm meine Rolex Submariner.
Ich hatte die Uhr vor 20 Jahren gekauft und trug sie jeden Tag. Sie war an meinem Handgelenk, als ich Terminator 2 drehte. Während um mich herum Sachen in die Luft flogen und sich Trucks überschlugen, saß ich im Beiwagen eines Motorrades und hielt eine Kamera in der Hand, mit der ich mich bis auf ungefähr 60 Zentimeter den Reifen eines fahrenden neunachsigen Lkw näherte. Ich trug sie, als ich zum ersten Mal die echte Titanic durch das Bullauge eines Tauchboots sah – und ich trug die gleiche Uhr, als ich in meinem Smoking auf die Bühne ging, um den Regie-Oscar für Titanic entgegenzunehmen.
„Sie ist meine ständige Begleiterin. Menschen kommen und gehen, aber die Uhr ist immer dabei.“
Die Uhr, die ich heute trage, habe ich als Ersatz für diejenige gekauft, die ich Ropni geschenkt habe. Wenn ich sie ansehe, denke ich an alles, was meine vorherige Submariner mitgemacht hat. Ich sehe all die Orte, an denen sie dabei gewesen ist: auf dem Grund des Ozeans, beim Spielen mit meinen Kindern und an meinem Schreibtisch, während ich eine Story schrieb. Sie ist meine ständige Begleiterin. Menschen kommen und gehen, aber die Uhr ist immer dabei.
Und diese hier hat gerade erst ihre ersten Schritte gemacht.